Aus dem Trainingsalltag

Hier gibt´s immer wieder Berichte oder meine Gedanken zu diversen Themen, inklusive Fotos und Videos. Auch Erfahrungen aus der Vergangenheit sind in Arbeit.

Bitte zurücktreten und warten

Meine Pferde sind fast immer zum Training motiviert. Speziell Lele ist meistens hoch motiviert. Deshalb musste ich ihr immer die Stalltüre vor der Nase zuknallen, wenn ich Kalafi herausgeholt habe, damit sie sich nicht mit raus zwängte. Bis ich vor kurzem, als ich es gerade wieder geschafft hatte, die Türe rechtzeitig zu schließen, an ein Video aus einem  Natural Encounters Tec Talk Webinar denken musste.

Da ging es darum, dass ein Trainer auch immer an die Folgen seines Trainings für den nächsten Tag denken soll, und dass man die Türe zu einem Gehege/Käfig erst dann schließen soll, wenn das Tier auch freiwillig drinnen bleiben will.

Hey, mein Pony tritt so weit von der Heulagerraum-Tür zurück, bis ich ihre Nase nicht mehr sehe, wenn ich mit Futter rauskomme. Dafür kriegt sie dann eine Portion Heu ins Maul oder auf den Boden. Sie wartet, bevor sie vom Vorraum den Innenhof betritt. Und dann schaffe ich es nicht, unbehelligt den Stall zu verlassen, nur weil Kala rausgeht?

Seither bitte ich sie zurückzutreten und zu warten, bevor ich die Stalltüre schließe. Ich habe dafür noch nie mehr als zwei kleine Apfelstückchen benötigt. Ich habe den Eindruck, dass sie seither viel besser damit leben kann, wenn sie gerade nicht dran ist. Trotzdem achte ich darauf, anschließend auch mit ihr etwas zu machen. Wenn ich zeitlich sehr knapp dran bin, rufe ich zumindest noch ein paar Signale im Stall ab, und wir beenden alle zufrieden den Tag.

       

 

Hin zu oder weg von?

In der Pferdewelt, speziell in den diversen Formen des Horsemanship-Trainings gilt als eine absolute Kernkompetenz des Trainers, daß er in der Lage ist, das Pferd wegzuschicken. Üblicherweise wird dies entweder mit einem aufgehalfterten Pferd durch mehr oder weniger heftiges Schütteln des Stricks oder durch die Arbeit mit einem frei laufenden Pferd in einem stark begrenzten Raum (häufig Roundpen) erarbeitet. Dabei ist es zumindest anfangs oft nötig, ziemlich heftig und unangenehm für das Pferd zu werden.

Um umgekehrt ein Pferd dazu zu bringen, sich seinem Trainer anzunähern, kann auch dies leicht in einem Roundpen erarbeitet werden, indem man es dem Pferd unangenehm macht, auf Abstand zu bleiben, indem man es einfach zum Laufen antreibt, bis es anzeigt, daß es zum Trainer kommen will (mal hoffen, daß der Trainer auch leichte Anzeichen erkennt…).

Dies funktioniert eindeutig, zumindest wenn der Trainer einigermaßen Ahnung hat. Aber ist es tatsächlich notwendig?

Ich sehe mir ja gerne moderne Trainer aus dem Zootierbereich an, speziell deren Trainingsvideos und lese deren Blogs. Ich kann mich an kein einziges Beispiel erinnern, in dem wie oben beschrieben vorgegangen wurde.

Wie machen die das?

Einerseits liegt der Schwerpunkt deutlich mehr an der Annäherung des Tiers an den Trainer – Stichwort Targettraining. Je nach Tierart und Trainingsstadium auch gerne in geschütztem Kontakt – wobei dies nicht nur bedeutet, daß der Trainer im Notfall vor Attacken des Tiers geschützt ist, sondern auch das Tier kann sich dem Training einfach entziehen, indem es Abstand vom Zaun/Gitter hält, wenn das Training zu stressig oder auch einfach nicht spannend genug ist.

Andererseits kenne ich >wegschicken< bei Zootieren lediglich als >hinschicken zu<, z. B. zu einem anderen Trainer oder einer Wartestation wie einer Bodenmatte/einem Hocker, auf dem es sich platziert oder einem Gegenstand, an den es mit der Nase andockt.

Und das funktioniert? Definitiv ja. Nur liegt die Verantwortung für gutes Training, das Erreichen der Trainingsziele und vor allem für das Wohlbefinden des Tiers im Training eindeutig beim Trainer.

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Erleichterung der Hufbearbeitung, die Zweite

Diesen Sommer haben wir den Proxxon Akku-Langhalswinkelschleifer entdeckt. In einem Pferdeforum. Auch wenig maschinenaffine und handwerklich nicht so geübte Menschen äußerten sich begeistert.

Nachdem speziell Lele im Sommer über Hornmaterial Marke Stainless Steel verfügt, habe ich mich entschlossen, mir auch so ein Ding zuzulegen. Es ist etwas größer und schwerer als eine elektrische Zahnbürste, und auch der Abtrag hält sich in Grenzen. Das heißt, es geht nicht wirklich schneller als mit einer Handraspel, wodurch auch das Risiko, daß ich zuviel wegnehme, so gut wie nicht gegeben ist. Es geht allerdings absolut unanstrengend, ohne schmerzende Finger und Handgelenke (und es wird auch das stahlharte Horn - wenn auch langsam - abgetragen, bei dem ich schon mehrfach aufgegeben und eine Nacht mit nassen Socken und Hufschuhen vorgeschaltet hatte).

Erwartungsgemäß hat Kala anfangs deutliches Mißtrauen gezeigt, zuerst vor dem Geräusch, dann bei der Vibration am Huf. Sie hat sich allerdings rasch (4 Einheiten à ca. 3 min.) daran gewöhnt, und nach einigen Bearbeitungen auf dem Boden sind wir auch wieder auf dem Podest gelandet. Was sie allerdings nicht toleriert: maximale Geschwindigkeit. Das Gerät ist stufenlos verstellbar, und bis ca. 3/4  Tempo ist es ok für sie.

Lele war um einiges gelassener, toleriert auch Topspeed, allerdings nur zeitlich begrenzt. Allerdings habe ich auch bei ihr die Geschwindigkeit mittlerweile zurückgenommen, da ich nicht sicher bin, ob der Abtrag dabei nicht mindestens genauso hoch ist und es ihr trotzdem angenehmer ist.

Ach ja, den Schweif binde ich bei der Bearbeitung der Hinterhufe sicherheitshalber hoch, da ich nicht testen will, was passiert, wenn er sich um die Schleifscheibe wickelt. Und ich trage die vorgeschriebene Schutzbrille.

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Mein Rückenschonprogramm - unser Hufbearbeitung-auf-Podest-Projekt

Vor ca. 1 1/4 Jahren hatte ich massive Rückenprobleme. So richtig mit 3 Wochen Krankenstand und nur mit Schmerzmitteln überhaupt irgendwie aufstehen können und danach noch einige Monate nicht selbst ausmisten oder Heu vom Heuboden schmeißen und ähnliches (nochmals danke an Kathi und Benni, die mich in dieser Zeit massivst unterstützt haben und heute noch unterstützen, wenn Kraftarbeiten anstehen). Ich bin monatelang nur über die Aufsteighilfe von Kala abgestiegen (hat glücklicherweise ohne spezielles Training geklappt) und springe auch jetzt nur mehr selten ab.

Eines der Hauptprobleme, die ich für die Zukunft sah, war die Hufbearbeitung. Und das speziell bei Lele, die ja eine besonders ungünstige Arbeitshöhe hat. Ich hatte ja schon öfter darüber nachgedacht, sie auf ein Podest zu stellen, aber anständige Podeste sind ja sooo teuer. Egal, nun war der Zeitpunkt für ein richtiges, stabiles Podest gekommen. Auch in einen anständigen (und teuren) Hufbock habe ich investiert (hoof it).

Nach einigen Wochen war das Podest da. Lele war gleich begeistert und ging anstandslos rauf. Kala hat deutlich gezögert, es dann aber Lele nachgemacht. Bis sie mit einem Vorderhuf an der glatten Umrandung abgerutscht ist. Außerdem war der Boden unten öfter schneematschig, was ihr Vertrauen auch nicht gerade gefördert hat. Also haben wir geübt. Viel und häufig (aber natürlich immer nur kurz) und mit viel Futter und vor allem Apfelstücken als Verstärker. Bis Kala nach Übungsende gleich selbst nochmal raufgeklettert ist und mich erwartungsvoll angeguckt hat "Bin ich nicht toll!!!".  (Signalkontrolle war mir in diesem Moment ziemlich egal, und ich habe ihr ein großes Apfelstück ins Maul geschoben.)

Lele hat auch ziemlich rasch gelernt, das Podest entweder nach hinten oder nach vorne zu verlassen. Kala ist immer nur nach hinten runter. Bis sie doch einmal vorne abgestiegen ist - und nach einer Maulvoll Futter inklusive Apfelstücken beschlossen hat, daß dies nun ihre bevorzugte Variante ist.

An der Dauer für das Hufe raspeln haben wir länger gearbeitet, aber mittlerweile klappt es super. (Viel besser als auf diesen Videos von vor 2 Monaten von Kala und Lele.) Heute habe ich Lele´s Hinterhufe wieder  in Form gebracht, und sie hat das Podest kein einziges mal während der Bearbeitung verlassen. (Mehr als 2 Hufe mache ich normalerweise nicht, eben wegen Rückenschonung.)

Ach ja, man kann natürlich auch Vor- oder Hinterhandwendung mit zwei Beinen auf dem Podest üben. Ich halte zwar Hinterhandwendung in dieser Position für nicht so gesund, aber beide Pferde bieten es gerne an. Möglicherweise ist ihnen dieses Rücken-durchstrecken dazwischen doch ganz angenehm.

Für mich ist diese Version der Hufpflege definitiv viel angenehmer als die Arbeit ohne hochgestellte Pferde.

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Spaziergang

Der Vorgarten sumpfig, der Sand auf den Gittermatten wie Treibsand und die Wege draußen matschig. Lele braucht Bewegung und Abwechslung. Also gibt es einen Spaziergang. Da lassen sich viele bekannte Übungen einbauen. Auf der Nebenstraße, die wir gehen, gibt es einige Kanaldeckel, auf die Lelchen zielsicher die Vorderhufe platziert. Dazwischen ein bißchen dehnen, auch mit gekreuzten Vorderbeinen, und Rücken aufwölben. Auch Vorhandwendung (schön mit überkreuzenden Hinterbeinen) läßt sich üben. Auf dem Wiesenrandstreifen gibt es ein bißchen niedriges Steigen. Weiter geht es mit Schulterherein und Travers im Schritt (eine von Lele´s Lieblingsübungen). Spanischer Schritt ging schon mal schöner, da müssen wir wieder üben.

Nochmals dehnen und Rücken aufwölben? Ja gerne!  Wir sind jetzt auf dem relativ festen Hohlweg. Ein bißchen Trab (ein bißchen von wegen Konditionsmangel von Frauchen). Nochmals Travers. Unsere Wendestelle bei der Wiese. Kurze Grasepause. Dann geht es auf dem Weg neben dem Bach zurück. Da gibt es Minideckel, um die Hufe sorgfältig darauf zu platzieren. Einige Seitenwechsel vor mir haben wir bis dahin auch schon eingebaut. Seitwärts auf mich zu ist auch kein Problem. Nochmals Spanischer Schritt (ok, immer noch nicht viel besser). Nochmals Steigen auf der Wiese, ein paar Kanaldeckel ansteuern, und dann sind wir wieder zuhause.

Weil es so viel Spaß gemacht hat, gehe ich dann auch mit Kala spazieren, anstatt sie zu reiten. Das Programm ist ähnlich. Ich merke, daß ich mit Kala Travers an der Hand deutlich weniger geübt habe als mit Lele, ebenso die Wendungen vor mir sowie das Anpeilen von Kanaldeckeln. Dafür bietet sie einige Galopphopser an, und >Singen< läßt sich auch abrufen.

Wir gehen jetzt öfter spazieren. Mir tut die Bewegung auch gut. Und da es schon früh finster wird, gibt es eben Reflexdecke/Reflexjacke und Blinklampen.

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Meine Pferde wollen nicht gefallen – zumindest nicht immer

 

Die Pferde(menschen)welt scheint sich in zwei Gruppen aufzuteilen:

1. die Anhänger der Dominanztherapie, die stetig darauf bedacht sind, nur ja keine Schwächen zu zeigen, damit ihr Pferd ihnen die mühsam erkämpfte Herdenboßrolle nicht wegnehmen kann und

2. die Pferde-wollen-immer-gefallen-Fraktion.

Meine Pferde passen in keines der beiden Bilder. Lelchen hätte zwar sicher gerne die Kontrolle über den Eingang zum Heulagerraum (und zusätzlich zu den Tonnen mit Belohnungsfutter). Davon abgesehen macht sie absolut nicht den Eindruck, sich als Alphapferd (was immer man darunter versteht) etablieren zu wollen. Und Kala arbeitet daran, mich freudig erwartungsvoll anzugucken und gleichzeitig die hinter ihr stehende Lele anzugifteln, wenn sie es einmal geschafft hat, als erste vor der Tür zu stehen.

Wenn ich die Lieblingskraulstellen speziell meiner Latina mit kalten Fingern bearbeite, gibt es auch mal einen bösen Blick in meine Richtung. Kalte Finger mag sie gar nicht.

Auch beim Training arbeiten beide begeistert mit, solange es spannend ist, lassen mich aber rücksichtslos stehen, wenn es langweilig (die Lieblingsübung der letzten drei Tage, die mittlerweile ausgelutscht ist) oder zu anstrengend wird. Oder wenn sich draußen etwas besonders Spannendes tut, das kurz beobachtet werden muß. Mit einem entsprechend unterhaltsamen Trainingsprogramm wird allerdings  sogar das Grasen oder das Leeren des Heunetzes unterbrochen.

Nichts desto trotz werden erfolgversprechende Verhalten teilweise auch ohne Signal begeistert gezeigt. Speziell Mimikangeboten kann ich nur schwer wiederstehen. Andere Verhaltensweisen kann ich ohne schlechtes Gewissen ignorieren, und sie werden kaum mehr angeboten (z. B. das intensiv, aber nur auf Signal bestärkte Steigen).

Auch im normalen Leben geben meine Vierbeiner ihren Wünschen Ausdruck („Ich will Futter“, „ich will lieber in diese Richtung“, „ich will schneller laufen“), einfach und unmißverständlich. Es ist allerdings meine Sache (und situationsabhängig), wie ich darauf reagiere und ob ich darauf eingehe. Flottes Tempo beim Ausritt auf nassem Lehmboden und bergab finde ich z. B. nicht prickelnd, was ich auch sehr deutlich mache.

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Aus Kala´s Jugend – die Sache mit dem Hinlegen

Nachdem ich bei Kala ein paarmal das Hinlegen (zum Wälzen) mittels Clicker einfangen konnte, war diese Übung sehr beliebt. Auch ohne Signal, wie ich feststellen konnte. Wir waren noch in dem Stadium, in dem ich jedes beobachtete Hinlegen bestärkte, was Kala bald darauf rücksichtslos ausnutzte.

Ich trainierte mit meiner älteren Ponydame Nelly, als Kala in mein Gesichtsfeld trat, ein paarmal scharrte und sich dann niederließ. Ich ließ Nelly stehen, stürmte zu Kalafi, lobte sie überschwänglich und stopfte ihr Futter ins Maul. Dann ging ich zurück zu Nelly und trainierte mit ihr weiter. Kala erschien in meinem Gesichtsfeld, scharrte… der Rest siehe oben. Nachdem sich dies ein paarmal wiederholt hatte, fiel mir auf, daß Nelly (verständlicherweise) ziemlich mißmutig war. An konzentriertes Training mit ihr war nicht zu denken, da ich die arme Nelly einfach stehen ließ, wenn Kala ihre neue Lieblingsübung anbot.

Das durfte so nicht weitergehen! Ich übte mit Nelly. Kala trat in mein Gesichtsfeld, scharrte, begann, in den Karpalgelenken einzuknicken… und ich tat so, als ob ich sie nicht bemerkt hätte, drehte mich ein Stückchen weg von ihr und trainierte weiter mit Nelly. Der Hinlegevorgang wurde sofort abgebrochen, wie ich aus dem Augenwinkel bemerkte. Kala trat wieder in mein Gesichtsfeld, scharrte, knickte ein. Ich drehte mich weiter. Das Hinlegen wurde abgebrochen. Kala startete noch einige Versuche, mich vom Nelly-Training abzuhalten, bis sie aufgab. Nachdem Nelly ihre Übungseinheit beendet hatte, durfte Kala natürlich ihr Hinlegen präsentieren und wurde ordentlich dafür bestärkt.

Ich glaube, Nelly war heilfroh, daß ich ihr endlich wieder die gebührende Wertschätzung zukommen ließ. Und hinlegen gehört nach wie vor zu Kala´s Lieblingsübungen, auch wenn sie damit nicht mehr in jeder Situation meine Aufmerksamkeit erhalten kann.

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Gymnastizieren in Box oder Offenstall?

Derzeit ist es meistens dunkel, wenn ich nach Haus komme. Wenn dann auch noch die Bodenverhältnisse so sind, daß ich mich mit den Pferden nicht vor die Türe traue.... 

Ohne Reithalle kann man dann überhaupt nicht gymnastizieren - oder doch?

Viele Übungen sind auch auf sehr beengtem Raum - einer Ecke im Offenstall, einer Box, der Stallgasse - möglich. Da sind einmal die diversen Dehnübungen, wie das bekannte Halsflexen, das einfach frei geformt oder mittels Target erarbeitet werden kann. Dann ein eventuell nicht sonderlich tiefes Plie zur Rücken- dehnung. Zur noch besseren Dehnung läßt sich dies auch mit gekreuzten Vorderbeinen üben. Ach ja klar: Natürlich wird sowohl mit links über rechts wie auch rechts über links geübt. Oder man verwendet - falls vorhanden - eine niedrige Stufe oder ein niedriges Podest.

Als Gegenübung: Rücken aufwölben, z. B. mittels Bergziege. Dies kann man auch mit einem Hulareifen optisch anspruchsvoller gestalten. Für Anfänger sollen alle vier Hufe in einen Reifen mit 80 cm Durchmesser, für Fortgeschrittene nimmt man den 60 cm Reifen. Und die Profis machen Bergziege auf der Miniwippe inklusive wippen.  Oder man übt Rücken aufwölben durch Zurückverlagern des Gewichts (ohne Zurücktreten der Hinterbeine), eventuell in Kombination mit Hankenbeugung (sowas wie Schulhalt).

Spanischer Gruß kann sowohl zur Schulterdehnung wie auch zum Muskeltraining (Arbeit an der Dauer beim Hochhalten) genutzt werden. Er kann z. B. über Rohrbeintarget oder auch über Vormachen (durch den Trainer) und Nachahmen (durch das Pferd) erlernt werden. Auch andere Beinbewegungsübungen kann man so erarbeiten. Es bieten sich an den Hinterbeinen z. B. Knie- oder Sprunggelenkstarget an, oder auch einfaches Hochheben und -halten eines Hinterbeines.

Wenn der Übungsplatz einigermaßen fest ist, eignet sich auch die Arbeit mit einer oder zwei Miniwippen. Dazu benötigt man einfach ein Brett mit ca. 35 x 50 bis 50 x 70 cm, je nach Geschmack und Pferdegröße. Darauf ein rutschfester Belag (Teppich oder Gummi, geklebt oder geschraubt oder genagelt), darunter eine idealerweise halbrunde Latte geschraubt, oder – noch einfacher – ein kleiner Läufer daruntergelegt (der, den man sowieso schon längst zum Teppich ausrollen rumliegen hat). Das Pferd kann entweder die Vorder- oder die Hinterbeine auf die quergestellte Wippe stellen und wippen (oder das Brett in Balance halten), oder auch zwei (bis vier) Beine auf die längsgestellte Wippe. Theoretisch könnte man auch mit allen vier Hufen auf der quergestellten Wippe üben. Da habe ich mich allerdings selbst noch nicht drübergetraut. Mit zwei Läufern drunter hat man ein einfaches Podest – zum Beispiel für ein erschwertes Plie.

Mit etwas Phantasie fallen euch jetzt sicher noch viel mehr Dinge ein, mit denen man einem Pferd eine echte Power-Indoorgymnastik verschaffen kann.

Achtung: diese Übungen sind durchaus anstrengend für Pferde, also die einzelnen Positionen nicht zu lange halten lassen und immer wieder kurze Entspannung einbauen!

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Aggression beim Clickertraining

Eine Problematik, die mir in letzter Zeit häufiger aufgefallen ist, und die auch bei meiner Latina auftrat, als Sie mit einer Praktikantin arbeitete: Aggressives Einfordern von Clicks und Belohnungen. Wenn nicht regelmäßig alle paar Sekunden ein Click mit anschließender Futterbelohnung erfolgt, egal wofür, wird das Pferd aggressiv, was von zurückgelegten Ohren über Schnappen und Beißen bis zum Ansteigen bei Nichtbeachtung geht.

Bei Beobachtung des Trainings fiel auf, daß die Pferde häufig für alle möglichen erwünschten Verhalten, die sie ohne Signal anboten, bestärkt wurden, und dies besonders beim Führtraining. Einmal für ruhiges nebenhergehen, alle paar Schritte. Dann für Anhalten, dann für ruhiges Stehen. Dazwischen für Kopf senken und vielleicht für eine bestimmte Position neben dem Menschen. Eben für alle Verhalten, die mit unerwünschtem (z. B. Eilen) bzw. gefährlichem Verhalten (eben Beißen und Steigen) unvereinbar sind - was auf den ersten Blick ja Sinn macht. In der Praxis lernen die Tiere allerdings stattdessen häufig, daß sie mit Beiß- oder Steigedrohungen Clicks auslösen können. Was sind die Ursachen? 

Vermutlich ganz einfach: Es ist für die Tiere nicht mehr durchschaubar, mit welchem Vehalten sie einen Click auslösen können. Häufig wird der zeitliche Abstand zwischen den Clicks das bestimmende Kriterium, speziell da Menschen tatsächlich häufig in einen zeitlichen Rhythmus fallen, wenn ihnen ihr Kriterium unklar ist. Also wird der >unpünktliche< bzw. fehlende Click energisch eingefordert.

Außerdem wird von jungen Trainern leicht übersehen, daß Beißen, Steigen und Treten zwar für sie eindeutig unter unerwünschtes Verhalten fällt, für Pferde allerdings Normalverhalten in bestimmten Situationen darstellt, das oft erfolgreich ist (einmal davon abgesehen, daß z. B. Steigen für erfahrene Trainer durchaus erwünschtes Verhalten sein kann, zumindest wenn es weitestgehend unter Signalkontrolle ist.)

In einigen Fällen wurden auch sehr unklare, häufig körpersprachliche Signale gegeben, die oft für eine komplexe Übung standen. Diese konnte das Pferd oft noch nicht komplett anbieten bzw. wurde die Übung im Training nicht ausreichend (oder gar nicht) zerlegt, sodaß gut clickbare Kriterien weder für Pferd noch für Mensch klar erkennbar waren. Auch in diesem Fall verfällt der Trainer leicht in einen zeitlichen Rhythmus – oder er wartet auf das perfekte Ergebnis, oder eben ein bestimmtes Kriterium. Nur leider bei jedem Click auf ein anderes. Beidseitiger Frust ist dann schon fast vorprogrammiert.

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Aggression beim Clickertraining - Fortsetzung

Oft bewirkt auch der Trainerehrgeiz, daß komplexere Übungen trainiert werden, ohne zuvor die Basics ausreichend erarbeitet zu haben. So wird z. B. an Seitengängen oder Spanischem Schritt gebastelt, bevor das Pferd gelernt hat, ruhig neben dem Trainer zu stehen oder gerade nebenher zu gehen. Natürlich sehen diese Übungen beeindruckender aus, und ein erfahrener Trainer mit einem erfahrenen Pferd kann oft auch Einzelheiten aus einem vielfältigen Angebot an Bewegungen rausfiltern. Nichts desto trotz enden solche Versuche leicht in Chaos und Frust.

Eine weitere häufige Problematik ergibt sich, wenn Jungtrainer so darauf konzentriert sind, Fehlverhalten zu ignorieren, daß sie übersehen, wieviel wichtiger und sinnvoller es meistens ist, dieses Verhalten von vorneherein zu verhindern. Dies ist  - theoretisch einfach, praktisch allerdings durchaus sehr herausfordernd  - durch einen guten Trainingsplan, sinnvolle Teilschritte, gutes Timing und Konzentration auf den Trainee zu erreichen.

Wenn Aggression nun tatsächlich auftritt, hat man meistens mindestens einen der obigen Punkte nicht ausreichend beachtet. Nichts desto trotz geht es nun darum, aus der Situation möglichst heil wieder rauszukommen und eine vertrauensvolle Basis für das weitere Training zu erhalten.

Am Beispiel Beißen: in manchen Reitanlagen besteht die Möglichkeit, mit einem Zaun zwischen dem Pferd und sich zu arbeiten.  Wenn dies nicht möglich ist, hilft es alleine schon ungemein, sich so zu positionieren, daß man sich nicht direkt vor dem Pferdegebiß aufhält, sondern seitlich versetzt steht. So kann man Attacken oft wirklich ins Leere laufen lassen und ignorieren.

Einen vorschießenden Kopf kann man mit etwas Routine auch mit einem Unterarm (etwa Mitte Nasenrücken) blocken. Häufig sehe ich allerdings menschliche Abwehrbewegungen, die an eine Mückenjagd erinnern. Dies wirkt – vom Trainer normalerweise unbeabsichtigt  - für viele Pferde bestärkend, da es als Aufforderung für ein lustiges Schnappspiel mißverstanden wird.

Sowie Aggression abgeblockt oder ins Leere abgeleitet wurde, ist es sinnvoll zu reflektieren, ob man einfach weiter trainieren soll, oder ob es doch besser ist, seinen Plan zu ändern. Wenn ich die aktuelle Situation als gefährlich empfinde, bin ich auf jeden Fall für den Abbruch des Trainings. Lieber zu einem besseren Zeitpunkt, an einem passenderen Ort, mit einer geeigneteren Übung weiter machen, als einen Unfall zu riskieren.

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Was bei uns wichtig ist:

Lele ist fast immer hungrig, und als gute Futterverwerterin verträgt sie auch Heu nicht ad libitum. Training direkt nach einer längeren Heupause bzw. vor der nächsten Heufütterung ist extrem mühsam. Bereits eine Viertelstunde fressen dämpft den Hunger und erhöht die Motivation drastisch. Bei wärmeren Temperaturen und bereits vorhandenem Winterfell sind eher Denkaufgaben und Dehnungsübungen als Konditionstraining angebracht. Sturm oder Geräusche in der Dämmerung beeinflußt ihre Aufmerksamkeit allerdings kaum.

Anders bei Kala. Sie verwertet Futter ebenfalls gut, hat aber nicht diese panische Angst zu verhungern und arbeitet auch nach einer Freßpause gut mit. Konzentration auf das Training in der Dämmerung oder bei Dunkelheit fällt ihr allerdings sehr schwer. Lichter und Geräusche lenken sie sehr stark ab und müssen von ihr sofort kontrolliert werden. In diesen Situationen macht es oft Sinn, sie am losen Führstrick zu halten, um häufiges Unterbrechen des Trainings zu verhindern, obwohl wir bei Tageslicht meistens frei arbeiten. Es scheint ihr mehr Ruhe zu geben, wenn ihr Hinlauf-Beobachtungs-Erstarr-Muster von vorneherein nicht stattfinden kann.

Starker Insektenflug verhindert so ziemlich jedes sinnvolle Training bei uns. Einerseits beißen meine beiden Prinzessinnen mitsamt Insektenspray noch um sich, andererseits werden meine Signale durch das wilde um-mich-schlagen meinerseits zu unklar. Ausritte oder longieren funktionieren in diesen Situationen allerdings häufig noch - sofern wir nicht dazwischen ruhig stehen üben wollen.

Wir haben auch eine eindeutige Reihung der Trainingsplätze bezüglich Ablenkung. Im Stall ist die Konzentration am höchsten, im Gelände am geringsten.

Wichtig ist natürlich die aktuelle Konzentrationsfähigkeit der Trainerin. Einfache Vokabeltests klappen auch, wenn die nur mäßig vorhanden ist. Das Erarbeiten neuer Übungen funktioniert nur dann, wenn sie einfach sind und ein nicht ganz so exaktes Timing erfordern. Microshaping nach einem sehr anstrengenden Arbeitstag fällt daher bei uns aus.

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Clickertraining im Labor und in der echten Welt

Wenn man der Literatur glaubt, funktioniert die Sache mit dem Clickern ganz einfach.

Ich brauche einfach nur richtiges Verhalten zu bestärken und Fehlverhalten möglichst zu ignorieren, und ich habe ständig ein motiviertes, konzentriertes Pferd.

Dies funktioniert speziell am Anfang und bei Jungpferden hervorragend, besonders wenn sie sonst keine Leckers erhalten, die ersten Übungen einfache Spaßsachen sind und die Umgebung ruhig und bekannt ist.

Und es klappt meistens dauerhaft bei Labortieren, die sowieso außerhalb des Trainings keine Abwechslung kennen, nur im geschützten Rahmen üben dürfen und teilweise ihr Futter auch nur während der Trainingseinheiten erarbeiten können. Es funktioniert auch oft bei reinen Boxenpferden. Speziell wenn der Mensch sich darauf beschränkt, in der Box zu trainieren.

Anders bei gut gehaltenen Pferden. Ausreichend Futter, Kumpel, Bewegung, und eventuell zusätzlich Bespaßung vom Besitzer. Wenn es denn Bespaßung ist. Die Karottenscheibe konkurriert mit den Grasbüscheln am Rand des Übungsplatzes. Die Übung ist vielleicht anstrengend und macht keine Freude. Die Kumpel sind zu weit weg und fehlen. Ungewohnte Geräusche (muß man denn unbedingt bei Wind oder Sturm trainieren?). Schatten in der Dämmerung (bitte die Arbeitszeiten an das Tageslicht anpassen – der Dienstgeber hat sicher Verständnis;)). Ein neues Werbeplakat (an der Straßenlaterne vor meinem Übungsplatz hängt meistens ein Plakat – und Kala bemerkt immer, wenn es getauscht wurde). Irgendetwas liegt irgendwo, wo es nicht hingehört. Und schon ist es vorbei mit dem einfachen, unkomplizierten und immer erfolgreichen Clickertraining.

Pferde außerhalb des geschützten/reizlosen Rahmens sind häufig stark außenorientiert – entweder auf lecker Gras oder auf potentielle Säbelzahntiger, und Mensch steht oft hilflos daneben und versucht verzweifelt, die Aufmerksamkeit seines Pferdes zurückzugewinnen.

Da reicht gute Technik nicht aus, sondern es ist vermehrte Planung, hervorragende Beobachtungsgabe und Ursachenforschung notwendig. Und es empfiehlt sich häufig eine Änderung der Rahmenbedingungen (soweit möglich) bzw. die Anpassung (Vereinfachung) des Trainings an die Gegebenheiten. Manchmal macht es auch Sinn, die Übungseinheit vorzeitig abzubrechen.

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Clickertraining – wie war das nochmals mit mehreren Kriterien gleichzeitig?

Foto: R. Pointner

Eigentlich weiß man als Clickertrainer, daß man immer nur an einem Kriterium arbeitet. Wenn dieses erarbeitet/verbessert ist, wendet man sich dem nächsten zu. Dabei verschlechtert sich das zuvor trainierte Kriterium meistens wieder. Wenn allerdings das neue Kriterium sitzt, kommt man rasch auch mit dem zuvor trainierten wieder auf Topniveau. Soweit die Theorie.

Praktisch ist es gar nicht so einfach, sich daran zu halten, und bei einem Clickerspiel, wo man einfach in kurzer Zeit etwas erarbeiten will und üblicherweise nicht wirklich plant, wird der wissenschaftliche Hintergrund leicht vergessen.

Ich bin beim letzten Treffen einer Gruppe engagierter Clickerer voll in diese Falle getappt, als ich eine Beinbewegung (Kniebeuge mit nach außen gedrehten Zehen und Knien) in Kombination mit einer bestimmten Armhaltung (etwa so, als ob man einen großen Blumentopf tragen würde) trainieren wollte. Die Beinhaltung klappte einigermaßen rasch, wobei mein >Pferd< es allerdings mit der Auswärtsdrehung immer mehr übertrieb (die Nachbesprechung ergab, daß sie glaubte, die Füße entlang einer Plattengrenze am Boden ausrichten zu müssen. Ob echte Pferde im Training auch oft so irrige Annahmen haben?). An der Armhaltung bin ich dann ziemlich gescheitert, unter anderem da mein >Pferd< brav weiter die Knie gebeugt hielt und ich befürchtete, diesen Teil zu verlieren, wenn ich die Armposition mit ungebeugten Knien weitertrainiert hätte. Das mäßige Endergebnis ergab zwar die gewünschte Kniebeuge – allerdings mit extrem ausgedrehten Zehen, was vermutlich bei intensiverem Training ungesund ist, und mit gerade nach vorne gestreckten Armen.

Während der Nachbesprechung – die wir uns in letzter Zeit angewöhnt haben – diskutierten wir, ob es mehr Sinn machen würde, diese Übung überhaupt in zwei Teile zu splitten, also zuerst die Beinhaltung und –bewegung zu formen, diese dann unter ein Signal zu setzen, anschließend die Armhaltung. Wenn auch diese unter Signalkontrolle steht, dann einfach beide Übungen gleichzeitig abrufen. Vermutlich wäre diese Aufgabe dann wesentlich korrekter ausgeführt worden. Außerdem hätte sich das >Pferd< die Muskelschmerzen im Training erspart (nein, laut Rückmeldung kein Muskelkater am nächsten TagJ).

Ob es so auch schneller geklappt hätte? Vielleicht. Es klingt zwar aufwendiger, zwei Dinge extra zu trainieren, aber es wären möglicherweise etliche Irrwege weggefallen. Und das Ergebnis hätte (wahrscheinlich) wirklich gepaßt.

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Clickerspiele

Clickerspiele sind eine tolle Sache, um seine Trainingsfähigkeiten zu verbessern und Verständnis für sein Pferd zu gewinnen. Praktisch läuft es so ab, daß eine Person das Pferd mimt, eine den Trainer. Der Trainer überlegt sich also eine Übung (bei Gruppen wird das >Pferd< weggeschickt, und man einigt sich gemeinsam eine Aufgabe), die das >Pferd< auf jeden Fall auch ausführen kann (Handstand fällt also in etlichen Fällen als Möglichkeit aus). Üblicherweise wird die Übung rein frei geformt. Das bedeutet, daß das >Pferd< außer den Clicks keine weitere Hilfestellung erhält.

Viele Übungen fallen in eine von zwei Gruppen:

  1. Etwas mit einem Gegenstand machen (z. B. eine Gießkanne nehmen und einen bestimmten Blumentopf gießen)
  2. Etwas mit dem eigenen Körper machen (z. B. sich einmal um sich selbst drehen)

Typische Probleme, die dabei häufig auftreten:

  • *Zu wenige Clicks, was einerseits dazu führt, daß das >Pferd< an den Stellen, an denen endlich ein Click ertönt, ewig feststeckt und kaum etwas weiteres anbietet, und andererseits werden die Bewegungen des >Pferdes< so groß, daß das Herausformen feinerer Dinge so gut wie unmöglich wird.Dies führt oft zu großer Frustration des >Pferdes< und auch des Trainers.
  • *Das Erinnerungsvermögen des >Pferdes<, und wenn es nur vom Zugucken ist, da zuvor jemand anderes Pferd war. Spätestens nach zwei Durchgängen mit Gegenständen fällt es dem >Pferd< extrem schwer, auf die Idee zu kommen, mit dem eigenen Körper etwas anzustellen.
  • *Der Trainer ist nicht sicher, ob er DAS jetzt clicken soll oder nicht > der Click ist auf jeden Fall zu spät dran. Gerade bei diesem Spiel hat man üblicherweise keinen Trainingsplan, und es gilt ja einfach, das Zielverhalten zu erreichen, das häufig aus unterschiedlichen Teilen besteht. Oft verpaßt er dadurch Clicks, was dazu führt, daß das >Pferd< nicht mehr weiter weiß und entweder verzweifelt immer wieder das letzte geclickerte Verhalten anbietet oder lautstark seinen Frust äußert.
  • *Schmerzen beim >Pferd<, häufig bei an sich einfachen Übungen an sich selbst, die z. B. kurzes Stehen auf einem Bein, Vorbeugen oder eine rasche Kniebeuge beinhalten. Das >Pferd< ist durch Clicks oft in dieser unbequemen Position wie festgenagelt und probiert unter zunehmenden Muskelkrämpfen weiter. Mir tat einmal schon alles weh, als ich längere Zeit mit gestreckten Knien und Finger so ziemlich am Boden rumprobierte. Es dauerte ewig, bis ich raushatte, daß ich lediglich den kurzen Zipp unten an einem Bein meiner Reithose öffnen sollte.

Vermutlich geht es unseren echten Pferden oft ähnlich, wenn wir mit ihnen eigentlich einfache Dinge erarbeiten wollen.

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Abgucken

Schon wenige Tage, nachdem Kalafi bei uns eingezogen war, zeigte sie, daß sie von ihrer >Adoptivmama< Nuance gelernt hatte. Sie präsentierte mir einen (für ein untrainiertes Pferd) sehr schönen Spanischen Gruß und blickte mich beifallheischend an – bis ich endlich clickte und anschließend den Fotoapparat holte.

Wenige Tage später kam sie im Rückwärtsgang auf mich zu, als ich einige Meter hinter ihr stand. Wollte sie drohen? Oder hatte sie sich einfach das Rückwärtsschieben auf Signal von Nuance abgeguckt? Ich gab das entsprechende Signal, auf das meine Vollblüterin trainiert war – und siehe da, die Übung war auch bei Kalafi abrufbar.

 

Ganz anders bei Lele. Die hat sich von meinen anderen Pferden nichts abgeguckt. Weil sie dazu nicht in der Lage war? Oder einfach, weil sie andere Pferde, inklusive meiner, einfach nicht mochte? Ich vermute, zweiteres, nachdem sie anfangs deutlich Abstand hielt.

Lange Zeit später übte ich einmal wieder bekannte Signale, als ich bemerkte, daß Lele manche Kopftargets nicht so toll machte. Ich dachte mal kurz darüber nach, ob ich diese mit ihr geübt hatte, oder ob diese lediglich in Kala´s Repertoir vorhanden waren. Aufgrund mangelhafter Aufzeichnungen (ich schwöre Besserung!) bin ich nicht sicher, vermute aber zweiteres. Vermutlich kann auch Lele gut durch abgucken lernen – wenn sie eine Beziehung zum Pferd hat, von dem sie lernen will.

Eine weitere Feststellung bei der gemeinsamen Arbeit mit Kala und Lele: Kala ist – wie bereits erwähnt – leicht ablenkbar, und so bekommt sie manchmal ein Signal nicht mit. Lele ist da oft konzentrierter und schneller. Und Kala macht es ihr dann häufig einfach nach. Wenn Lele ebenfalls unkonzentriert war, machen beide denselben Fehler.

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Gymnastik für den Pferderücken

Wir haben bereits vor langer Zeit begonnen, Rückengymnastik ins Training einzubauen. Begonnen haben wir mit einer Art >Liegestütze< mit Stufe. Kala stellte also die Vorderhufe auf eine Stufe und wurde von mir körpersprachlich zur Gewichtsverlagerung nach hinten motiviert (körpersprachlich, weil sie das gut kannte. Alternativ kann man auch mit Berührung an der Brust arbeiten (besser vorher extra trainieren, da es ja kein Drücken werden soll).

Anfangs wurde sie bereits für minimale Gewichtsverlagerung bestärkt. Wenn sie von der Stufe runter trat, was zu Beginn auch öfter mal passierte, erhielt sie eben keinen Click (sofern der nicht bereits vor dem Rückwärtsschritt erfolgt war) und wurde ermuntert, einfach wieder hochzusteigen.

Mir ist es dabei wichtig, die Rückenlinie im Auge zu haben, die sich dabei schon bei Trainingsbeginn  zumindest minimal hebt. Daher stehe ich etwa in Schulterhöhe mit Blick Richtung Schweif (bzw. Pferderücken).

Die Hinterbeine stehen dabei gerade anfangs deutlich hinten raus, da sich das Pferd ja rückwärts bewegt und auch das Vertrauen haben muß, nicht nach hinten zu kippen.

Später haben wir diese Übung auch ohne Stufe gemacht. Klappt gut, nur habe ich den Eindruck, daß der gymnastische Wert mit Stufe höher ist.

Seit einiger Zeit arbeiten wir nun an der Hankenbeugung im Stehen. Wir haben diese Übung aus dem Steigen entwickelt, indem ich einfach früher geclickt habe. Andere Leute arbeiten aus dem Anhalten aus zumindest flottem Schritt mit anschließender Rückwärtsmotivation. Diese Übung fällt den Pferden leichter, wenn sie mit Kopf und Hals Schwung holen. Dies verbessert sich mit zunehmender Kraft. Um extreme >Kopfarbeit< dabei von Anfang an zu vermeiden bzw. zu minimieren: anfangs nur wenig verlangen, auch bei dieser Übung minimale Gewichtsverlagerung nach hinten clicken (dabei sind die Hinterbeine allerdings deutlich unter dem Körper, aber auch nicht zu viel, da sonst die Beweglichkeit und Standsicherheit des Pferdes doch sehr eingeschränkt ist). Später dann darauf achten, nicht zu lange zu üben, denn sowie die Kraft nachläßt, wird stattdessen (Kopf-)Schwung eingesetzt.

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Pferdetypen

Ich bin ja mit zwei sehr unterschiedlichen Pferdetypen konfrontiert: Kalafi, die heißblütige Südamerikanerin, die fast kein Winterfell bekommt, alles sieht und sehr reaktiv ist, aber auch höchst sensibel reagiert.

Praktisch bedeutet das, daß Kala bei Dämmerung, starkem Wind oder Dunkelheit sehr leicht abgelenkt ist und sich nur schwer konzentrieren kann.  Außerdem kommt sie durch ihren schmalen Körperbau leichter aus der Balance. Das hat sich z. B. beim Sitzsacktraining gezeigt, womit sie sich deutlich schwerer getan hat als Lele, die sich schon in der ersten Session setzte. Feinarbeit mit dem Maul fällt ihr dagegen eindeutig leichter als Lele. Auch ist sie eindeutig distanzierter und feiner in der Annäherung.

Und Lele, eindeutig ein nördliches Exemplar, von der Statur her ein Miniaturnoriker. Wesentlich gelassener. Wenn sie ängstlich ist, wird sie eher ruhiger, und man erkennt die Unsicherheit hauptsächlich an der eingezogenen Unterlippe und der darübergestülpten Oberlippe. Natürlich kann auch Lele mal reaktiv sein und scheuen. Und sie kann kräftige Temperamentsausbrüche bekommen.

Außerdem ist sie wesentlich >körperbetonter<. Sie wird bei Ungeduld leicht rempelig und setzt bei Temperamentsausbrüchen viel Kraft ein – weshalb Arbeit an der Höflichkeit in ihrem Training wesentlich mehr Gewicht hat als bei Kala. Auch ist sie mit ihrem massiven Körper und dem kurzen, kräftigen Hals etwas unbeweglicher und weniger biegsam, sodaß  sie einfach mehr Training für bessere Dehnbarkeit braucht.

So hat jede ihre speziellen Stärken und Schwächen, was mich immer wieder herausfordert, das Training individuell anzupassen.

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Targets

Meine Pferde und ich arbeiten sehr viel mit Körpertargets, da sie einfach vielseitig einsetzbar sind.

Bereits das Nasentarget läßt sich als Basis vieler Übungen verwenden, z. B. Apportieren, Ball schupsen, Kegel umwerfen, Berührung von >Monstern<, also ein (für das Pferd) aktives Antischeutraining.

Schulter- und Hüfttarget sind einerseits für das Positionieren an einer Aufstiegshilfe, andererseits auch z. B. für das Erarbeiten von Seitengängen bei der Bodenarbeit sehr hilfreich. Außerdem für alle möglichen anderen Übungen, bei denen es um die Positionierung geht, wie z. B. Einparken zwischen den Anzen eines Gigs oder den Sitzsack gerade anpeilen, oder auch als Hilfe für die Positionierung auf einer Miniwippe . Oft kann eine neue Übung so innerhalb kurzer Zeit erklärt werden. Wenn die Übung verstanden ist, werden die Targets (zumindest von meinen Pferden) weitgehend wieder ausgeschlichen.

Auch kann z. B. der Spanische Schritt über ein Karpalgelenks- oder Rohrbeintarget erarbeitet werden, wenn man (wie ich) nicht über eine Abwehrreaktion nach touchieren trainieren will. Die Hinterbeine bieten ebenfalls viele mögliche Targetpunkte. Auch die Hufe können gezielt positioniert werden (z. B. auf einer Matte – oder eben einer Wippe).

Das Erlernen des 1. Targetpunktes nach der Nase fällt den meisten Pferden eher schwer. Je mehr Punkte am Körper es bereits kennt, umso rascher erlernt es weitere. Grenzen sind eigentlich nur durch die Phantasie des Trainers gesetzt.

Unsere aktuellste Version: Unterkiefer-in-Wasserstrahl-Target.

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Vokabeltest

Schon vor längerer Zeit habe ich >Vokabeltests< im Training eingeführt. Praktisch sieht das so aus, daß ich gut bekannte Signale für einfache Übungen, z. B. verschiedene Körpertargets, Beine kreuzen, Zunge raus... gebe, und Pferd zeigt prompt das gewünschte Verhalten - oder auch nicht. Für die korrekte Reaktion gibt es Click und Futter, bei Fehlern ca. 2-3 Sekunden Pause und dann das nächste Signal.

Anfangs war das eine Notlösung in stressigen Zeiten, wenn ich weder die Zeit noch die Energie für ausführliches Training hatte.

Im Lauf der Zeit hat es sich für mich als ein sehr nützliches und lehrreiches Trainingstool herausgestellt.

Zuerst einmal: auch Pferde vergessen Vokabel, die lange nicht benutzt wurden (wir wollen jetzt nicht darüber reden, wieviel z. B. von meinen Schulkenntnissen noch vorhanden ist;)). Und von manchen Vokabeln weiß Pferd noch in etwa, was es bedeutet (unsauber ausgeführte Verhalten).

Trainer vergessen ebenfalls Vokabel - die Signale, die irgendwann mal trainiert wurden.

Vokabeltests erfordern auch viel Konzentration - bei Pferd und Mensch. Nicht nur, daß Pferde unkonzentriert werden, wenn sie in rascher Folge auf Signale korrekt reagieren sollen, auch als Trainer mixt man da öfter ein unpassendes Wort zu seinem Handsignal dazu.

Wenn sich bei so einer Einheit herausstellt, daß eine Übung doch nicht so gut sitzt, wie ich dachte, wird sie extra trainiert und dabei wieder gezielt auf korrekte Ausführung geachtet. Gerade Körpertargets kommen ja im täglichen Leben häufig vor, um Positionierungen in komplexeren Übungen zu erreichen und werden dabei oft etwas schleißig abgefragt und eher variabel bestärkt.

Oft stelle ich auch fest, daß das Signal, auf das meine Pferde reagieren, andere Teile beinhaltet als gedacht. Manches funktioniert bei Handsignal mit veränderter Körperposition, anderes nicht. Dadurch lerne ich, mir über meine Signale klarer zu werden und fallweise auch das Signal gezielt zu ändern.

Eine Variation der Tests ist das gemeinsame Training mit Kala und Lele. Mittlerweile habe ich (meistens) die Konsequenz, tatsächlich zu clicken, wenn das Verhalten zumindest von einem Pferd innerhalb eines angemessenen Zeitraums (solange ich das Signal aufrecht erhalte) angeboten wird und dann auch nur das korrekt antwortende Pferd zu bestärken. Außerdem habe ich mir angewohnt, wirklich zu warten, bis die beiden ruhig stehen (zumindest 3-5 Sekunden) und keine anderen Verhalten anbieten, bevor ich ein Signal gebe. Dadurch ist unser Training viel klarer geworden.

Eine Beobachtung, die ich machen konnte: Kala ist leichter abgelenkt und dadurch unaufmerksamer. Dann guckt sie rasch zu Lele, was die macht und ahmt es nach. Pech falls auch Lele gerade irrt.

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Hausarrest

Im Sommer 2011 hatte Kala für gut 3 Monate Hausarrest mit deutlich eingeschränktem Bewegungsprogramm. Die ersten paar Tage Stallarrest, dann Minipaddock. Für Stallarrest bieten sich diverse Kopftargets sowie Flehmen und Gähnen an, wobei es sich als ungünstig herausstellte, Gähnen in einer Tierklinik zu trainieren, da das Ergebnis von vielen Tierärzten fehlinterpretiert wird (Magenprobleme).

Das Führprogramm (mit 2x 5 Minuten/Tag beginnend) wurde durch gehen mit Innen- und Außenstellung, gehen in Pose (Kinntarget), Anhalten, ein paar Schritte rückwärts, Span. Schritt, Schulterherein aufgewertet. Anfangs gab´s Führtraining nur auf dem Paddock (wo will man für 5 Minuten schon hin), später wurde auch durch kurze Spaziergänge ergänzt.

Auch wurden wieder Hula-Übungen eingebaut sowie Crocket  wiederholt. So hat sie ihren Krankenstand weitgehend bei brauchbarer Laune überstanden.

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